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Hintergrund

Wie schnell die KI dazulernt

Die künstliche Intelligenz ist eine junge Technik, und kaum eine hat sich so schnell entwickelt. Selbst Forscher, die sich täglich damit beschäftigen, sind vom Tempo immer wieder überrascht. Wer daneben einen Betrieb führt oder Projekte leitet, hat anderes zu tun, als jede Neuerung zu verfolgen. Dieser Überblick zeigt in wenigen Minuten, was in den letzten Jahren passiert ist, gemessen an Aufgaben, die man selbst einordnen kann.

Bestwerte der KI bei drei Aufgabensammlungen: einfache Textaufgaben mit Plus und Minus, Aufgaben aus Mathematikwettbewerben und unveröffentlichte Aufgaben auf Forschungsniveau. Daten: Epoch AI (CC BY 4.0), aufbereitet von Our World in Data, sowie die unten genannten Veröffentlichungen.

Schulaufgaben: der lange Anlauf

Am Anfang standen einfache Textaufgaben, wie man sie aus der Grundschule kennt: Anna hat fünf Birnen und gibt drei ab, wie viele bleiben übrig? Schon 2014 lösten die ersten KI-Systeme gut drei Viertel solcher Aufgaben. Bis sie fast alle schafften, vergingen noch einmal acht Jahre.

Studium: wenige Jahre

Danach ging es schneller. Bei Aufgaben aus Mathematikwettbewerben lag der beste Wert 2021 bei 7 Prozent, ein Jahr später bei der Hälfte und 2024 bei 95 Prozent. 2023 schrieb GPT-4 eine amerikanische Anwaltsprüfung mit und lag im Mittelfeld der menschlichen Prüflinge. Im selben Jahr entstand ein Test mit Fragen aus Physik, Chemie und Biologie, bei dem Fachleute mit Promotion 65 Prozent erreichen. Die KI kam damals auf 39 Prozent.

Forschung: ein Jahr

Zwei Jahre später erreichten die besten Modelle bei diesem Test 87 Prozent und lagen damit vor den Fachleuten. Bei der Internationalen Mathematik-Olympiade holte eine KI 2024 Silber und 2025 Gold, bestätigt von der Olympiade selbst.

Ende 2024 stellte das Forschungsinstitut Epoch AI eine Sammlung unveröffentlichter Aufgaben zusammen, an denen selbst Mathematiker Stunden bis Tage sitzen. Die KI löste anfangs fast keine davon. Im September 2026 waren es 94 Prozent. Thomas Bloom, der eine bekannte Sammlung ungelöster Mathematikprobleme betreut, schrieb im Oktober 2026, die KI sei in weniger als einem Jahr von nahezu nutzlos dahin gekommen, bei einigen der schwersten Probleme mitzuhelfen.

Was das für die tägliche Arbeit heißt

Wer heute mit einer KI arbeitet, hat ein Gegenüber, das in Maschinenbau, Recht, Wirtschaft, Informatik, Mathematik, Physik, Biologie und Medizin auf Promotionsniveau mitredet. Es übersetzt ins Chinesische, Spanische, Französische und Russische, bleibt freundlich und ist rund um die Uhr erreichbar. Und es ist sich für nichts zu schade: Es sucht in alten Projekten, überträgt Zahlen und füllt die Tabelle aus. Ein Doktor, der auch das Klo putzt.

Ausblick

Wer sich an die ersten Mobiltelefone erinnert, kennt Geräte von fast einem Kilo mit einer Antenne zum Ausziehen. Manche trugen den Akku in einem eigenen Koffer mit sich herum. Telefonieren war alles, was sie konnten: keine Fotos, kein Internet, keine Nachrichten. Heute trägt man am Handgelenk eine Uhr, die all das kann und noch viel mehr. Für diesen Weg hat das Mobiltelefon rund vier Jahrzehnte gebraucht.

Die künstliche Intelligenz hat den Weg von der Grundschulaufgabe bis zur Forschung in wenigen Jahren zurückgelegt. Verglichen mit dem Mobiltelefon ist das ein Raketenstart, und jede Stufe hat weniger Zeit gebraucht als die vorige.

Wir von Vector-Brain behalten diese Entwicklung im Auge und halten Sie über den aktuellen Stand der Technik auf dem Laufenden.

Quellen

Textaufgaben (AddSub): Hosseini u. a. 2014; Roy & Roth 2015; Mitra & Baral 2016; Wang u. a. 2022, arXiv 2203.11171. Wettbewerbsmathematik (MATH): Hendrycks u. a. 2021, arXiv 2103.03874; Lewkowycz u. a. 2022, arXiv 2206.14858; Zhou u. a. 2023, arXiv 2308.07921; OpenAI 2024. Forschungsmathematik (FrontierMath, Stufen 1–3): Epoch AI über Our World in Data, Stand 4. September 2026.

Anwaltsprüfung: OpenAI, GPT-4 Technical Report 2023, und Martínez, „Re-evaluating GPT-4's bar exam performance" 2024. Fachfragen auf Promotionsniveau (GPQA): Rein u. a. 2023, arXiv 2311.12022, sowie Epoch AI. Mathematik-Olympiade: Google DeepMind 2024 und 2025. Thomas Bloom auf Terence Taos Blog, 6. Oktober 2026.

Stand: Oktober 2026

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