Wissenswertes
Welche KI für welchen Zweck?
Wer von künstlicher Intelligenz spricht, meint meistens ChatGPT. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von KI-Modellen, und sie unterscheiden sich in einem Punkt, der für Unternehmen entscheidend ist: wo die Daten hingehen. Dieser Überblick ordnet die Möglichkeiten in zwei große Gruppen, dazu einen europäischen Sonderfall, und zeigt, welcher Weg zu welchem Zweck und zu welchen Daten passt.
Modell und Anwendung
Zuerst eine Unterscheidung, die oft untergeht. Das KI-Modell ist der eigentliche Kern, eine sehr große Datei, in der das gelernte Wissen steckt. Das Chatfenster, die Mail-Software oder die Wissensdatenbank sind Anwendungen, die ein solches Modell nutzen. Eine gut gebaute Anwendung ist nicht an ein Modell gebunden. Sie kann heute mit dem einen und morgen mit einem anderen arbeiten.
Frontier-Modelle: die Spitze, beim Anbieter
Die leistungsfähigsten Modelle kommen derzeit von OpenAI, Anthropic, Google und xAI, dem Anbieter von Grok. Fachleute nennen sie Frontier-Modelle, weil sie die Grenze des Machbaren markieren. Das Modell selbst geben diese Anbieter nicht heraus. Man nutzt es über ihre Schnittstelle, die Anfrage geht also zum Anbieter und die Antwort kommt von dort zurück.
Das ist weniger heikel, als es klingt. Über die Geschäftszugänge trainieren die großen Anbieter nicht mit den Daten ihrer Kunden, gespeichert wird nur kurz zur Missbrauchsprüfung, und die Verarbeitung lässt sich in europäische Rechenzentren legen. Für die meisten Aufgaben ist das ein guter und bequemer Weg. Was dabei rechtlich gilt, steht im Artikel KI und DSGVO.
Offene Modelle: zum Selbstbetreiben
Die zweite Gruppe sind Modelle, deren Datei frei heruntergeladen werden darf. Auf Englisch heißen sie Open-Weight-Modelle, nach den „Gewichten", den gelernten Zahlen im Modell. Mit Open Source im strengen Sinn ist das nicht ganz dasselbe, denn wie das Modell trainiert wurde, bleibt oft offen. Für den Einsatz im Unternehmen zählt etwas anderes: Man kann das Modell selbst betreiben, auf eigener Hardware oder in einem Rechenzentrum der eigenen Wahl. Dann verlässt keine Anfrage das Haus, auf Wunsch läuft der Rechner sogar ganz ohne Internetverbindung.
Der Aufwand ist überschaubarer, als viele denken. Ein mittelgroßes offenes Modell wie gpt-oss von OpenAI läuft auf einer einzigen leistungsstarken Grafikkarte. Die größten offenen Modelle brauchen einen Server mit mehreren Grafikkarten. Und der Abstand zur Spitze ist klein: Laut dem Forschungsinstitut Epoch AI liegen die besten offenen Modelle im Mittel nur rund vier Monate hinter den Frontier-Modellen.
Die Grafik zeigt noch etwas: Seit Anfang 2025 kommt jedes neue beste offene Modell aus China, von Anbietern wie DeepSeek, Alibaba oder Moonshot. Für den Datenschutz ist dabei eine Unterscheidung entscheidend. Lädt man ein solches Modell herunter und betreibt es selbst, auf eigener oder europäischer Hardware, geht keine einzige Anfrage nach China. Das Modell ist eine Datei, kein Dienst, der irgendwohin meldet. Anders ist es bei der Cloud-Schnittstelle dieser Anbieter: Dort werden die Daten tatsächlich in China verarbeitet. Kurz gesagt: Das Modell darf aus China kommen, entscheidend ist, wo es läuft.
Sonderfall Mistral
Mistral aus Paris ist der bekannteste europäische Anbieter und passt in keine der beiden Gruppen ganz hinein, denn er bietet beides an. Einige Modelle sind frei verfügbar, darunter das große Mistral Large 3, andere gibt es nur über die eigene Plattform. Mistral betreibt seine Modelle auf Wunsch auch direkt beim Kunden. Dass das ernst gemeint ist, zeigt ein Rahmenvertrag mit dem französischen Verteidigungsministerium, der den Einsatz ausschließlich auf französischer Infrastruktur vorsieht. Leistungsmäßig liegt Mistral etwas hinter der Spitze, aber in Schlagweite. Wer Wert auf einen europäischen Anbieter legt, findet hier die naheliegende Wahl.
Welche Daten, welcher Weg
Welches Modell passt, entscheidet sich weniger an der Technik als an den Daten. Als Faustregel haben sich drei Stufen bewährt:
Allgemein
Stufe 1
- Zum Beispiel
- Texte entwerfen, recherchieren, übersetzen, öffentliche Informationen
- Weg
- Frontier-Modell über den Geschäftszugang des Anbieters
- Modelle
- Claude, GPT, Gemini, Grok
Vertraulich
Stufe 2
- Zum Beispiel
- Angebote, Verträge, Kalkulationen, Kunden- und Personaldaten
- Weg
- Frontier-Modell mit Verarbeitung in der EU und Auftragsverarbeitungsvertrag, oder ein offenes Modell in einem Rechenzentrum Ihrer Wahl
- Modelle
- Claude über Google oder Amazon in der EU, Mistral, offene Modelle
Geheim
Stufe 3
- Zum Beispiel
- exportkontrollierte Unterlagen, Wehrtechnik, Verschlusssachen, Kernkonstruktionen
- Weg
- offenes Modell im eigenen Haus, auf Wunsch ohne Internetverbindung
- Modelle
- Mistral Large 3, gpt-oss, Qwen, DeepSeek, Kimi
Warum die dritte Stufe im eigenen Haus bleibt, hat zwei Gründe. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erlaubt es derzeit nur unter engen Bedingungen, exportkontrollierte Technik auf fremde Server zu legen: auf Servern in der EU, die die Sicherheitsanforderungen des BSI erfüllen, mit Zugriff nur durch eigene Beschäftigte im Inland, und ausdrücklich nur zum Speichern. Und amerikanische Anbieter müssen Daten nach US-Recht unter Umständen an US-Behörden herausgeben, auch wenn sie in einem europäischen Rechenzentrum liegen. Für die allermeisten Firmendaten ist das ein theoretisches Risiko. Für Geheimes ist es eines zu viel.
Unabhängig bleiben
Die Modelle entwickeln sich schnell, und der Spitzenreiter von heute ist es in einem halben Jahr vielleicht nicht mehr. Deshalb bauen wir unsere Anwendungen so, dass sich das Modell per Einstellung wechseln lässt, ohne Umbau und sogar getrennt für einzelne Arbeitsschritte. Ein einfacher Vorfilter kann mit einem günstigen Modell laufen, die anspruchsvolle Antwort mit einem starken.
Bei Vector-Brain bieten wir alle drei Wege an: Frontier-Modelle, offene Modelle im eigenen Haus oder im Rechenzentrum und Mistral aus Europa. Wir selbst arbeiten im Haus mit Claude von Anthropic. Welcher Weg zu Ihren Daten passt, entscheiden Sie, und wir beraten Sie gern dabei: Sprechen Sie uns an.
Quellen
Leistungsvergleich: Epoch AI, „Open models lag state-of-the-art closed models by 4 months", 29. Mai 2026, und Epoch Capabilities Index, Stand 27. Oktober 2026. Begriff Open Source: Open Source Initiative, Open Source AI Definition 1.0. Hardware: Modellkarten von gpt-oss-120b und Mistral Large 3.
Mistral: Finanzierungsrunde September 2025, Betriebsarten; Rahmenvertrag mit dem französischen Verteidigungsministerium, Januar 2026. Exportkontrolle: BAFA, Allgemeine Genehmigung Nr. 45, Januar 2026. US-Herausgabepflicht: 18 U.S.C. § 2713 (CLOUD Act).
Stand: Oktober 2026. Die Stufen sind eine Faustregel und ersetzen keine Prüfung im Einzelfall.
